Kunststoffrezyklate gewinnen an strategischer Bedeutung, da europäische Vorgaben den Einsatz recycelter Materialien in Produkten systematisch ausweiten und damit die Kreislaufwirtschaft gezielt beschleunigen sollen. Gleichzeitig erschweren knappe sortenreine Abfallströme und hohe technische Anforderungen an recyclinggerechtes Design den industriellen Einsatz und verdeutlichen die Notwendigkeit belastbarer technologischer und organisatorischer Lösungen.

Vor diesem Hintergrund bringt das 8. Praxisforum Kunststoffrezyklate am 25. und 26. März 2026 in Darmstadt Akteure aus Forschung, Industrie und Politik zusammen. Das Format verbindet moderne Verfahren wie Entgasung und Dekontamination, nachhaltige Compounds, Machine-Learning-gestützte Analytik und simulationsbasierte Entwicklungsansätze mit der Diskussion internationaler Entwicklungen und der Gestaltung geschlossener Materialkreisläufe.
Kunststoffrezyklate als Treiber für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft
Neue europäische Regularien erhöhen den Druck auf Unternehmen, den Rezyklatanteil deutlich zu steigern. Gleichzeitig zeigt eine Studie von Plastics Europe, dass im Jahr 2023 lediglich 8,7 Prozent der Kunststoffe werkstofflich recycelt wurden, während der Großteil verbrannt oder deponiert wurde. Das Praxisforum greift diese Situation auf, indem es praxisnahe Wege aufzeigt, wie Kunststoffrezyklate in anspruchsvollen Anwendungen verlässlich eingesetzt werden können.
Im Mittelpunkt stehen Technologien, die Materialqualität verbessern und Schwankungen in heterogenen Stoffströmen beherrschbar machen. Dazu zählen moderne Entgasungs- und Dekontaminationsverfahren, mit denen Gerüche und flüchtige Kontaminanten reduziert werden, sowie neu entwickelte Compounds, die ökologische Anforderungen mit technischen Eigenschaften vereinen. Ergänzt wird dieser Bereich durch Machine-Learning-Ansätze, die Materialanalysen präziser, schneller und reproduzierbarer gestalten.
Zudem spielen Simulationen eine wachsende Rolle, weil variable Rezyklatqualitäten strukturelle Bewertungen erschweren. Multiskalige Modelle, validierte FEM-Methoden und die Abbildung von Fertigungs- und Umgebungseinflüssen ermöglichen belastbare Aussagen über Kriechverhalten, Steifigkeiten und Versagensarten.
Internationaler Austausch zu Kunststoffrezyklaten
Das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF richtet das Forum als neutraler Vermittler aus und verknüpft die Perspektiven von Kunststofferzeugern, Verarbeitern, Anwendern und Recyclern. Die Veranstaltung schafft einen Raum, in dem internationale Sichtweisen auf Märkte, regulatorische Entwicklungen und Qualitätsstandards zusammengeführt werden.
Im Zusammenspiel dieser Akteure entsteht eine Plattform, die bestehende Herausforderungen strukturiert adressiert und gleichzeitig konkrete Lösungsansätze sichtbar macht. Der Austausch zielt darauf ab, neue Kooperationen anzustoßen und technologische Fortschritte zu beschleunigen, die für hochwertige Anwendungen von Kunststoffrezyklaten unverzichtbar sind.
Märkte und Standards für Kunststoffrezyklate
Die Beiträge verdeutlichen, wie regulatorische Vorgaben, Marktmechanismen und ökonomische Rahmenbedingungen die Verfügbarkeit und Qualität von Kunststoffrezyklaten beeinflussen. Vertreter aus Wirtschaft und Verbänden analysieren die Diskrepanz zwischen politischen Zielen und aktueller Marktrealität und diskutieren die Voraussetzungen für effizientere Rezyklatströme. Ergänzt werden diese Perspektiven durch internationale Organisationen, die globale Entwicklungen im Kunststoffrecycling einordnen.
Die Konferenz spannt dadurch einen Bogen von strategischen Anforderungen bis zur operativen Umsetzung in Unternehmen. Diese Verknüpfung ist essenziell, um Rezyklate langfristig wettbewerbsfähig zu integrieren und Qualitätsstandards zu etablieren, die europaweit tragfähig sind.
Qualitätsverbesserung und Anwendungen
Technische Ansätze zur Aufbereitung und Stabilisierung von Kunststoffrezyklaten bilden einen weiteren Schwerpunkt. Vorträge zu mechanischem Recycling, Entgasung, Dekontamination und der Verarbeitung komplexer PVC/PET-Verbunde zeigen, wie aus Abfällen hochwertige Materialien generiert werden können. Ergänzend werden Anwendungen vorgestellt, die komplexe Stoffströme nutzen, Mehrwegsysteme etablieren oder Rezyklate gezielt in neue Produktgenerationen überführen.
Diese Beispiele demonstrieren, wie sich Materialqualität und Anwendungssicherheit verbinden lassen und welche Rolle gezielte Prozessoptimierungen dabei spielen. Hier zeigt sich, dass hochwertige Einsatzmöglichkeiten nur durch das Zusammenspiel von Analytik, Prozesswissen und Materialverständnis entstehen.
KI, Analytik und Simulation
Analytik und datenbasierte Verfahren erweitern die Möglichkeiten im Umgang mit variablen Rezyklatströmen. Beiträge zu ML-erweiterten DSC-Methoden und werkstoffkundlichen Analysen großer Industrieunternehmen verdeutlichen, wie präzise Zusammensetzungen identifiziert und Rezyklatqualitäten bewertet werden können.
Simulationsansätze unterstützen diese Entwicklungsprozesse, indem sie Materialverhalten in unterschiedlichen Lastfällen abbilden. Multiskalige Modelle, Berücksichtigung von Fertigungseinflüssen und Validierungen anhand konkreter Prüfmuster bilden ein Gesamtpaket, das Zuverlässigkeit bei Kunststoffbauteilen mit Rezyklatanteilen sicherstellt.
LBFDeepDive zu Kunststoffrezyklaten
Der #LBFDeepDive am 24. März 2026 ergänzt das Forum um ein intensives Format, das ausschließlich registrierten Teilnehmenden offensteht und auf 20 Personen begrenzt ist. Die Veranstaltung verbindet Additivierung, Analytik und Simulation im Hinblick auf die gesamte Wertschöpfungskette. Thematisiert werden Rezepturentwicklung, Nachstabilisierung, Ursachenanalysen im Schadensfall und die Validierung simulativer Modelle. Die Teilnehmenden erhalten Zugang zu modern ausgestatteten Laboren des Fraunhofer LBF und vertiefen ihr Wissen anhand konkreter Beispiele aus der Forschung.