Der Digitale Produktpass (DPP) rückt als zentrales Instrument der europäischen Kreislaufwirtschaft in den Vordergrund und wird ab 2027 schrittweise verpflichtend. Austrian Standards bietet Unternehmen Orientierung, indem sie relevante Europäische Normen bereitstellt und praxisorientierte Trainings anbietet. Damit entsteht eine Grundlage, um die neuen Informationsanforderungen strukturiert zu integrieren und die Entwicklung technischer Prozesse nachvollziehbar umzusetzen.

Mit der seit 18. Juli 2024 geltenden EU-Ökodesignverordnung entsteht ein europaweit einheitlicher Rahmen für nachhaltige Produkte. Kriterien wie Reparierbarkeit, Zuverlässigkeit, Wiederverwendbarkeit, Energieverbrauch und Energieeffizienz werden darin klarer bestimmt. Der DPP bildet dabei die verbindliche Basis für dauerhaft zugängliche Produktinformationen.
Europäische Grundlagen des DPP und seine technische Bedeutung
Die Ökodesignverordnung „Ecodesign for Sustainable Products Regulation“ (ESPR) schafft einen europäischen Rahmen, nach dem der DPP bis 2030 in vielen Produktbereichen verpflichtend einzusetzen ist. Die Verordnung sieht vor, dass Produkte künftig über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg nachvollziehbar und strukturiert dokumentiert werden. Der DPP stellt dafür die digitale Grundlage bereit und macht zentrale Informationen für Konsument:innen, Hersteller und Behörden zugänglich.
Die für den DPP notwendigen Standards entstehen bei CEN/CENELEC im Auftrag der Europäischen Kommission. Rund 240 Expertinnen und Experten aus EU- und Nicht-EU-Ländern wirken daran mit. Österreich ist mit Otto Handle, Leiter der CEN/CENELEC JTC 24 WG 4, in führender Position eingebunden. Die Standards definieren den Aufbau des DPP, legen technische Schnittstellen fest und schaffen eine europaweit einheitliche Struktur. Dadurch entsteht ein tragfähiges System, das dauerhaft verlässlich funktionieren kann.
Interoperabilität als Schlüsselprinzip des DPP
Die Arbeitsgruppe von Otto Handle entwickelt vier der acht europäischen Normen, die den DPP technisch tragen. Dazu zählen System Interoperability, Data Exchange Protocols, Archivierung und Versionierung sowie APIs. Diese Normen greifen ineinander und stellen sicher, dass Daten konsistent erfasst, ausgetauscht und langfristig verfügbar bleiben. Sie bilden die technische Grundlage, auf der der DPP europaweit skalieren kann.
Interoperabilität bedeutet, dass der DPP als Datendienst dauerhaft zugänglich und sowohl menschen- als auch maschinenlesbar bleibt. Ohne einheitliche Regeln würden voneinander getrennte Einzellösungen entstehen, die nicht kompatibel und nicht skalierbar wären. Die Standards verhindern dies, indem sie gemeinsame technische Vorgaben definieren. Ein wichtiges Ziel ist zudem die Vermeidung von Vendor-Lock-In: Offene Formate und niedrige Zugangshürden sollen sicherstellen, dass der DPP unabhängig von proprietären Systemen genutzt werden kann.
Behörden, Kontrolle und Stabilität des DPP
Behörden wie Marktüberwachung und Zoll übernehmen im DPP-System eine zentrale Rolle. Produkte ohne gültigen DPP gelten als nicht gesetzeskonform und dürfen in der EU nicht in Verkehr gebracht werden. Die Gatekeeper-Funktion der Behörden gewährleistet die Einhaltung der vorgegebenen Marktregeln und stärkt die Transparenz für Konsument:innen, die sich auf verlässliche Produktinformationen stützen können.
Um die Funktionsfähigkeit und Stabilität des DPP abzusichern, werden alle Produktpässe zusätzlich über Certified Backup Operator bereitgestellt. Diese übernehmen im Bedarfsfall die Bereitstellung der Daten, wenn Hersteller temporär ausfallen oder technische Probleme auftreten. Dadurch bleibt der DPP dauerhaft zugänglich, kostenfrei nutzbar und systemunabhängig verfügbar – ein zentrales Element, um Vertrauen in das gesamte System zu schaffen.
Orientierung durch Austrian Standards und Nutzen des DPP für Unternehmen
Austrian Standards unterstützt Unternehmen mit Live-Online-Trainings der Austrian Standards Academy, die gezielt auf die Umsetzung des DPP vorbereiten. Otto Handle vermittelt darin praxisnahes Know-how zur technischen Umsetzung und zeigt, wie Organisationen die neuen Vorgaben effizient in ihre Prozesse integrieren können. Das Webinar richtet sich insbesondere an Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsbeauftragte sowie an alle, die sich frühzeitig über die anstehenden Anforderungen informieren möchten.
Für KMU hat der DPP eine besondere Bedeutung. Die Europäische Kommission stellt sicher, dass das System niederschwellig nutzbar bleibt, um Marktbarrieren zu vermeiden und faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Durch einheitliche Datenstrukturen, offene Schnittstellen und eine europaweit harmonisierte technische Basis wird die Einführung des DPP für Unternehmen unterschiedlicher Größe gleichermaßen praktikabel. Damit wird sichergestellt, dass der DPP für Hersteller, Behörden und Konsument:innen gleichermaßen funktioniert.