Flexloop integriert einen lösungsmittelgestützten Extraktionsschritt in bestehende mechanische Recyclingprozesse und ermöglicht die Entfernung von Verunreinigungen aus Polymerketten. Dadurch lassen sich Rezyklate herstellen, die für Verpackungen im Kosmetik- und Hygienebereich nutzbar sind. Die Technologie wurde von Procter & Gamble entwickelt und von Lindner für die industrielle Umsetzung lizenziert.

Die Vorstellung auf der zurückliegenden K-Messe zeigte Flexloop als modular einsetzbares System, das an bestehende Wasch- und Recyclinglinien angebunden werden kann. Aus mechanischer Vorreinigung und zusätzlicher Extraktion entsteht ein Verfahren, das typische Kontaminationen aus Post-Consumer-Strömen gezielt adressiert und Materialqualitäten erzeugt, die den Anforderungen anspruchsvoller Anwendungen entsprechen.
Entwicklung und technologischer Ansatz
Die Entwicklung von Flexloop geht auf Gespräche zwischen Lindner und Procter & Gamble zurück, die anlässlich einer früheren Messephase geführt wurden. Aus ersten Konzepten entstand ein lösungsmittelbasiertes Extraktionsverfahren, das Procter & Gamble erarbeitete und dessen Lizenzrechte Lindner erwarb, um eine industriell nutzbare Anwendung zu realisieren. Ziel war es, mechanische Prozesse um einen klar definierten Reinigungsschritt zu erweitern.
„Wir sehen eine wachsende Nachfrage nach hochwertigen Rezyklaten, die sich für eine Vielzahl flexibler Verpackungsanwendungen eignen“, erklärt Lee Ellen Drechsler, Senior Vice President Research & Development bei P&G. „Flexloop ist eine Innovation, die unsere Forscherinnen und Forscher entwickelt haben, um unterschiedlichste Kunststoffmaterialien mithilfe mechanischer Lösungsmittel-Extraktion aufzuwerten. Die Lizenzierung dieser Technologie an Lindner steht im Einklang mit unserem Engagement, Lösungen zu skalieren, die dazu beitragen, Plastikabfälle zu reduzieren und eine Kreislaufwirtschaft für Materialien zu ermöglichen.“
Im Zentrum steht die Entfernung von NIAS wie Pestiziden, Phthalaten, Dioxinen oder organischen Rückständen. Ergänzend erfolgt die Abtrennung von Gerüchen, Klebstoffen und Druckfarben. Das Verfahren greift die Struktur der Polymere nicht an, sondern löst eingedrungene Stoffe aus dem Material. Die gewonnene Reinheit ermöglicht den Einsatz der Rezyklate in Anwendungen, die hohe Qualitätsanforderungen stellen.
Rolle von Flexloop im mechanischen Recycling
Während der Sammlung von Post-Consumer-Kunststoffen können Materialien unterschiedlicher Herkunft miteinander in Kontakt geraten und unerwünschte Stoffe aufnehmen. Diese Kontaminationen diffundieren teilweise in die Polymermatrix und lassen sich mit klassischen Waschverfahren nicht vollständig entfernen. Flexloop setzt an diesem Punkt an und ergänzt bestehende Abläufe um einen gezielten Extraktionsschritt.
Mit der zusätzlichen Reinigung lassen sich Rezyklate herstellen, die gleichmäßige Eigenschaften aufweisen und für sensible Verpackungen geeignet sind. Die erzielten Qualitäten erfüllen gesetzliche Anforderungen und entsprechen zugleich strengeren Spezifikationen vieler Markenartikelhersteller. Damit bietet Flexloop eine Möglichkeit, bislang schwer verwertbare Materialströme hochwertig aufzubereiten.
Einsatzgebiete und Materialströme für Flexloop
Flexloop eignet sich insbesondere für Inputströme wie Verpackungs- und Agrarfolien, die häufig aus unterschiedlichen Quellen stammen und starke Vermischungen aufweisen. In diesen Strömen treten Kontaminationen auf, die eine hochwertige Wiederverwendung erschweren. Durch die Kombination aus mechanischer Vorbehandlung und extraktionsbasierter Reinigung können daraus rPE-Rezyklate entstehen, die für neue Verpackungsgenerationen geeignet sind.
Viele dieser Anwendungen erfordern Materialien mit einheitlichen Eigenschaften, die sowohl regulatorische als auch produktspezifische Anforderungen erfüllen. Flexloop unterstützt Hersteller dabei, Folienverpackungen in geschlossene Kreisläufe zu führen. Die extrahierten Verunreinigungen und die erreichbare Materialqualität ermöglichen eine breitere Nutzung von Rezyklaten aus Post-Consumer-Sammlungen.
Gian De Belder, Technical Director Packaging Sustainability bei P&G, ergänzt: „Mit Flexloop kommen wir unserem Ziel ein Stück näher, Kunststoffverpackungen vollständig zirkulär zu gestalten. Die Technologie ermöglicht die Herstellung hochwertiger recycelter PE-Folienqualitäten, die sicher in neuen Verpackungsgenerationen verwendet werden können.“
Flexloop Integration
Die Flexloop-Unit lässt sich in bestehende Lindner Wasch- und Recyclinganlagen integrieren, ohne grundlegende Umbauten vorzunehmen. Das modulare Konzept erlaubt es, Flexloop als Ergänzung einzusetzen und bestehende Prozessketten beizubehalten. Die Investitions- und Betriebskosten fallen gering aus, insbesondere im Vergleich zum chemischen Recycling, sodass sich die Erweiterung wirtschaftlich darstellt.
Durch die Nachrüstbarkeit können Recycler ihre vorhandenen Linien gezielt erweitern und ein breiteres Rezyklatspektrum anbieten. Die erzeugten Qualitäten erschließen zusätzliche Absatzmärkte und ermöglichen es Unternehmen, auf Anforderungen der Markenartikelindustrie zu reagieren. Flexloop schafft damit Zugang zu Anwendungen, die bisher nicht mit mechanisch recycelten Post-Consumer-Kunststoffen bedient werden konnten.