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Kreislaufwirtschaft verändert industrielle Wertschöpfung

19. Januar 2026 von Birgit Fischer

Die Kreislaufwirtschaft steht für einen grundlegenden Umbau industrieller Wertschöpfung. Lineare Verbrauchsmodelle werden durch Systeme ersetzt, in denen Materialien dauerhaft zirkulieren und mehrfach genutzt werden. Laut einer Analyse von McKinsey & Company könnte Europa durch den Übergang zu einer konsequenten Kreislaufwirtschaft bis 2030 einen wirtschaftlichen Netto-Nutzen von bis zu 1,8 Billionen Euro erzielen. Gleichzeitig ließe sich der Rohstoffbedarf um 32 Prozent senken und die Versorgungssicherheit verbessern.1,2

Aus Flasche wird Flasche: Kunststoff bleibt im Kreislauf. Kreislaufwirtschaft ersetzt linearen Verbrauch – und macht Verpackungen zu zirkulierenden Rohstoffen mit ökonomischem Mehrwert. | Bild: Plastic is Fantastic Association
Aus Flasche wird Flasche: Kunststoff bleibt im Kreislauf. Kreislaufwirtschaft ersetzt linearen Verbrauch – und macht Verpackungen zu zirkulierenden Rohstoffen mit ökonomischem Mehrwert. | Bild: Plastic is Fantastic Association

In der praktischen Umsetzung der Kreislaufwirtschaft kommt Materialien mit hoher Einsatzbreite eine besondere Bedeutung zu. Kunststoff ist in zahlreichen Anwendungen präsent, insbesondere im Verpackungsbereich, und eignet sich aufgrund seiner Eigenschaften für die Wiederverwertung in geschlossenen Materialkreisläufen. Vor diesem Hintergrund entstehen industrielle Strukturen, die Sammlung, Recycling und erneute Nutzung systematisch miteinander verbinden. Zu diesen zählt auch der Kunststoffverpackungshersteller ALPLA, der Kunststoff-Kreisläufe unter anderem mit 14 Recyclingwerken weltweit unterstützt.

Vom Abfall zur erneuten Wertschöpfung

In Kreislaufsystemen dient Abfall als Ausgangspunkt neuer Wertschöpfung. Materialien, insbesondere Kunststoffe, werden so gestaltet, dass sie mehrfach genutzt und idealerweise vollständig recycelt werden können. Ziel ist es, Stoffkreisläufe zu schließen und den Einsatz von Primärrohstoffen zu reduzieren.

Für das Funktionieren solcher Systeme sind mehrere Faktoren entscheidend. Dazu zählen recyclinggerechtes Verpackungsdesign, funktionierende Sammelstrukturen sowie ein wirtschaftlicher Anreiz für die Rückführung von Materialien. Wiederverwertbaren Werkstoffen muss ein Wert beigemessen werden, damit Sammlung und Verwertung wirtschaftlich tragfähig sind. Nur wenn ein Marktpreis für wiedergewonnene Materialien existiert, entsteht ein Interesse an deren Sammlung und Weiterverarbeitung.3

Der Kunststoffverpackungshersteller ALPLA berücksichtigt diese Zusammenhänge bereits beim Aufbau neuer Recyclingwerke und entwickelt parallel lokale Sammelstrukturen, etwa in Mexiko. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen an Design-for-Recycling-Konzepten und am zunehmenden Einsatz von Rezyklaten. Im Jahr 2023 brachte ALPLA gemeinsam mit PTT Global Chemicals in Thailand ein lebensmittelechtes Rezyklat-PET (rPET) auf den Markt. Dazu gehörten auch vollständig aus rPET bestehende Flaschen für Pepsi und Mineré. In Indien unterstützte ALPLA die Einführung einer vollständig aus rPET hergestellten Flasche für Coca-Cola und trug damit zu dem Ziel des Getränkeherstellers bei, bis 2030 einen Anteil von 50 Prozent recyceltem Material in Verpackungen zu erreichen.4

Die Herstellung lebensmittelechter Rezyklate ist technisch anspruchsvoll, da hohe Hygiene- und Sicherheitsanforderungen eingehalten werden müssen, ohne die Materialqualität zu beeinträchtigen.

Ökonomische Effekte zirkulärer Modelle

Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft wird auch als wirtschaftliche Investition betrachtet. Ergänzend zu den Modellrechnungen von McKinsey & Company beziffert die Investmentgesellschaft Summa Equity das potenzielle Marktvolumen kreislaufwirtschaftlicher Aktivitäten in der Europäischen Union bis 2040 auf rund 1,5 Billionen Euro.5 Unternehmen profitieren dabei von längeren Produktlebenszyklen, höherer Materialeffizienz und geringeren Produktionskosten. Gleichzeitig entstehen neue Wertschöpfungsstufen entlang der Kreisläufe, etwa in Sammlung, Sortierung, Recycling und Wiederverwendung.

Auch der Arbeitsmarkt ist betroffen. Die Internationale Arbeitsorganisation geht davon aus, dass der weltweite Übergang zur Circular Economy bis 2030 zwischen sieben und acht Millionen neue Arbeitsplätze schaffen könnte.6

Gleichzeitig zeigt sich, dass Europa noch am Anfang steht. Nach Angaben der European Environment Agency lag die zirkuläre Materialnutzungsrate in der Europäischen Union im Jahr 2023 bei 11,8 Prozent.7 Deutschland verwertete im selben Jahr 99,5 Prozent der gesammelten Kunststoffabfälle. Davon entfielen über 38 Prozent auf werkstoffliche und rohstofflich-chemische Verwertung, während mehr als 61 Prozent energetisch genutzt wurden.8

Regionale Stoffkreisläufe und Versorgungssicherheit

Zirkuläre Modelle tragen dazu bei, Ressourcenströme langfristig zu sichern und den Bedarf an Erstrohstoffen zu senken. Materialien verbleiben regional und kontrolliert im System und werden unabhängiger von globalen Beschaffungsmärkten und geopolitischen Risiken.

Lokale Kreisläufe ersetzen importierte Rohstoffe durch wiedergewonnene Materialien und stabilisieren Lieferketten. Wachstum kann dadurch entstehen, ohne dass zusätzlicher Materialeinsatz erforderlich ist. Ökologische und ökonomische Aspekte werden in diesen Modellen miteinander verbunden.

Ein Beispiel ist das sogenannte Bottle-to-Bottle-System, bei dem gebrauchte PET-Flaschen zu neuen Flaschen verarbeitet werden, wobei der Anteil an Primärmaterial gering gehalten wird. ALPLA hat zudem eine PET-Weinflasche entwickelt, die vollständig recycelbar ist und mit bis zu 100 Prozent Rezyklat produziert werden kann.

Veränderungen von Nutzung, Angebot und Geschäftsmodellen

Zirkuläre Systeme entwickeln sich schrittweise zur wirtschaftlichen Praxis. Der Wert eines Materials steigt mit der Anzahl und Länge seiner Nutzungszyklen. Wertschöpfung entsteht durch Wiederverwertung anstelle von Verbrauch.

Unternehmen optimieren in der Kreislaufwirtschaft zunehmend Kreislaufquoten und Materialeffizienz statt reiner Produktionsmengen. Anwender und Konsumenten nutzen ergänzend Sharing-Systeme, bei denen Produkte gemeinsam verwendet werden.

Darüber hinaus entstehen nutzungsbasierte Geschäftsmodelle, bei denen Unternehmen Leistungen statt Produkte anbieten. Anstelle von Maschinen werden garantierte Leistungsniveaus verkauft, Verfügbarkeit ersetzt Eigentum. Anbieter wie Siemens, Kaeser oder Rolls-Royce setzen bereits auf solche Pay-per-Use-Modelle. Auch Tesla verfolgt mit seinem Robotaxi-Konzept die Idee, Fahrzeuge in ein autonomes Fahrdienstnetzwerk zu integrieren.

Die Kreislaufwirtschaft beschreibt damit eine Wirtschaftsform, die auf Mehrfachnutzung und Wiederverwertung basiert und industrielle Prozesse neu strukturiert.

  1. https://www.mckinsey.com/capabilities/sustainability/our-insights/europes-circular-economy-opportunity ↩︎
  2. https://www.mckinsey.com/gr/~/media/mckinsey/business%20functions/sustainability/our%20insights/the%20circular%20economy%20moving%20from%20theory%20to%20practice/the%20circular%20economy%20moving%20from%20theory%20to%20practice.pdf ↩︎
  3. https://sicherverpackt.de/article/interview-philipp-lehner-alpla-kreislaufwirtschaft ↩︎
  4. https://sustainability-report23-24.alpla.com/de/umweltinformationen/kreislaufwirtschaft ↩︎
  5. https://summaequity.com/eu-circular-markets-could-be-worth-eur-1-5tn-by-2040-and-save-650-mt-co2e-per-year ↩︎
  6. https://www.ilo.org/sites/default/files/wcmsp5/groups/public/%40ed_dialogue/%40sector/documents/publication/wcms_881337.pdf ↩︎
  7. https://www.eea.europa.eu/en/analysis/publications/europes-circular-economy-in-facts ↩︎
  8. https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/kunststoffabfaelle ↩︎

Kategorie: Kreislaufwirtschaft, News Stichworte: Alpla, Kreislaufwirtschaft, Ökonomie, Recycling

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