An der TU Wien wurde ein Verfahren entwickelt, das das Textilrecycling deutlich verbessert und die Trennung von Baumwolle und Polyester aus Mischtextilien erheblich erleichtert. Grundlage dafür ist ein ungiftiges Lösungsmittel aus Menthol und Benzoesäure, das die Bestandteile der Stoffe schnell und präzise voneinander löst und eine hochwertige Wiederverwertung ermöglicht.

Die Methode nutzt ein Deep Eutectic Solvent, das bei erhöhter Temperatur innerhalb weniger Minuten wirkt und die Materialien ohne Qualitätsverlust erhält. Dadurch entsteht ein besonders schonender Prozess, der sowohl die Effizienz als auch die Materialerhaltung stärkt und neue Perspektiven für ein leistungsfähiges Textilrecycling eröffnet.
Deep Eutectic Solvent als Grundlage für effizientes Textilrecycling
Menthol und Benzoesäure sind bei Raumtemperatur fest, bilden gemeinsam jedoch eine Flüssigkeit. Dieses Deep Eutectic Solvent ist leistungsfähig, ungiftig und leicht herstellbar und bildet den Kern des an der TU Wien entwickelten Verfahrens für das Textilrecycling. Seine Eigenschaften erlauben eine einfache und zugleich sehr wirksame Trennung von Mischtextilien.
Wird das Lösungsmittel auf 216 °C erhitzt, trennt es die Bestandteile der Stoffe innerhalb von fünf Minuten: Der Polyester löst sich vollständig, während die Baumwolle unverändert bleibt und nach dem Waschen und Trocknen sofort wieder nutzbar ist. Der Polyester fällt beim Abkühlen aus und kann abgetrennt werden. Mit Rückgewinnungsraten von 100 % bei Baumwolle und 97 % bei Polyester erreicht das Verfahren ein nahezu perfektes Textilrecycling.
Schonende Materialerhaltung als Vorteil für das Textilrecycling
Ein wesentlicher Vorteil des neuen Ansatzes ist die vollständige Unversehrtheit der Materialien. Die Baumwollfasern bleiben stabil, behalten ihre typischen Eigenschaften und lassen sich erneut zu Garnen verspinnen. Der Polyester zeigt dieselbe Struktur und Schmelztemperatur wie vor der Trennung und kann ohne Qualitätsverlust wiederverarbeitet werden. Damit stellt das Verfahren einen deutlichen Fortschritt für materialschonendes Textilrecycling dar.

Im Gegensatz zu bisherigen Methoden wird der Polyester nicht chemisch zerlegt und in kleinere Bausteine aufgespalten. Stattdessen bleiben die Polymerketten intakt, sodass die Materialqualität vollständig erhalten bleibt. Dies erweitert die potenziellen Einsatzmöglichkeiten der zurückgewonnenen Fasern erheblich.
Industrielles Potenzial der Methode für modernisiertes Textilrecycling
Die bisherigen Laborergebnisse zeigen ein deutliches Potenzial für die industrielle Umsetzung des Textilrecycling-Verfahrens. Sowohl die zurückgewonnene Baumwolle als auch der recycelte Polyester können für Garne, Fasern, Vliesstoffe oder technische Textilien eingesetzt werden. Damit eröffnet die Methode ein breites Anwendungsspektrum und stärkt die Zukunftsfähigkeit der Textilverwertung.
Da das Verfahren eine Temperatur von 216 °C benötigt, arbeitet das Forschungsteam an weiteren Optimierungen der Energieeffizienz. Die Forschenden sehen dennoch gute Chancen für eine spätere industrielle Nutzung. Entwickelt wurde die Technologie im Josef Ressel Zentrum ResTex der Christian Doppler Gesellschaft, unterstützt durch ein externes Modul der TU Wien sowie das TU Wien Patent- und Lizenzmanagement, das die bereits erfolgte Patentanmeldung begleitet.
Originalpublikation: N.Depope et al., Deep eutectic solvent as a solution for polyester/cotton textile recycling, Waste Management 208 (2025). https://doi.org/10.1016/j.wasman.2025.115177