Austrian Standards rückte bei den Expert Talks im Rahmen des WE NORM THE FUTURE | Summit 2025 die Kreislaufwirtschaft ins Zentrum einer breit geführten Debatte. Im Fokus standen jene Mechanismen, mit denen Normung, Ökodesign und digitale Produktpässe Strukturen schaffen, die Unternehmen Orientierung geben und die Grundlage für eine funktionierende zirkuläre Wertschöpfung bilden. Der Titel „Circular by Standard“ spiegelte diesen Ansatz wider und verband praktische Einblicke mit strategischen Perspektiven.

Die Veranstaltung beleuchtete, wie Verfahren, Standards und digitale Instrumente ineinandergreifen müssen, um Kreislaufwirtschaft effizient umzusetzen. Dabei wurden sowohl regulatorische Rahmenbedingungen als auch die Anforderungen an Datenmodelle und Schnittstellen thematisiert. Die Keynotes, Roundtables und Diskussionsformate legten dar, wie konkrete Umsetzungen aussehen können und welche Rolle Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Forschung und Politik im Transformationsprozess übernehmen.
Standards als Fundament der Kreislaufwirtschaft
Die Frage nach der Leistungsfähigkeit moderner Kreislaufwirtschaft stellte Austrian Standards zu Beginn in einen europäischen Kontext. Valerie Höllinger verwies in ihren einleitenden Worten auf die Bedeutung des Digitalen Produktpasses, der über die neue Ökodesign-Verordnung als zentrales Informationsinstrument eingesetzt wird. Sie betonte, dass Datenmodelle, Prüfverfahren und Schnittstellen nur im Zusammenspiel Wirkung entfalten können und dass Standards jene Voraussetzungen schaffen, die Entscheidungen im Einkauf oder Service unterstützen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen.
Karin Huber-Heim ergänzte diese Perspektive mit dem Hinweis, dass die Task Force Circular Economy als zentrales Steuerungsinstrument die nationale Kreislaufstrategie koordiniert. Sie sieht im aktiven Beitrag zur Standardisierung eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltige Transformation. Gregor Gluttig hob in seiner Begrüßung hervor, dass das Circular Economy Forum Austria als unabhängige Multi-Stakeholder-Plattform den Austausch zwischen zentralen Akteurinnen und Akteuren vorantreibt und damit den Aufbau einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft unterstützt.
Kreislaufwirtschaft im Spannungsfeld von Regulierung und Transformation
In einer Keynote stellte Arthur Erdem die Frage, ob EU-Regulierungen eine zusätzliche Last darstellen. Er kam zu dem Schluss, dass nicht die Regulierung selbst das Problem sei, sondern die erforderliche organisatorische Transformation. Standards beschleunigten diesen Wandel, indem sie Transparenz schaffen, Komplexität reduzieren und echte Zirkularität ermöglichen. Wo Standards fehlen, entstehe Chaos; wo sie greifen, entstehen nach seinen Worten Innovation, Planbarkeit und wirtschaftliche Vorteile.
Diese Einschätzung wurde ergänzt durch Stimmen aus unterschiedlichen Industrien. Claus Bretschneider beleuchtete die Herausforderungen der Ultra-fast-Fashion und verwies auf mangelnde Kontrolle und überlastete Sammel- und Recyclingsysteme. Als Gegenmodell stellte er die On-demand-Produktion heraus, die Überproduktion vermeiden soll. Weitere Impulse, unter anderem von Vertreterinnen und Vertretern großer Industrieunternehmen, zeigten, dass die Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen als europäisches Asset wahrgenommen wird und als Grundlage für zirkuläre Modelle gilt.
Gesellschaftliche und industrielle Verantwortung in der Kreislaufwirtschaft
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Kreislaufwirtschaft auf gemeinsame Verantwortung baut. Karin Huber-Heim betonte, dass Standards den verlässlichen Rahmen dafür schaffen. Auch Claus Bretschneider legte dar, dass langlebige Produkte trotz höherer Kosten einen ökologischen und ökonomischen Vorteil darstellen. Diese Perspektiven verdeutlichen, dass funktionierende Kreislaufwirtschaft nur dann möglich ist, wenn industrielle Strukturen, Marktmechanismen und regulatorische Vorgaben zusammengedacht werden.

Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Branchen hoben hervor, dass der europäische Ansatz der Transparenz und Rückverfolgbarkeit international eine besondere Wahrnehmung erfährt. Dies gilt für Materialkreisläufe ebenso wie für digitale Informationssysteme, die produktbegleitende Daten verfügbar machen und Nachverfolgung ermöglichen sollen.
Roundtables als praxisnahe Einblicke in die Kreislaufwirtschaft
Bei den Roundtables konnten Teilnehmende zwischen drei Themenbereichen wählen, die zentrale Fragestellungen der Kreislaufwirtschaft behandelten. Wolfgang Wimmer fokussierte auf Circular Design und Innovation durch Standards. Birgit Gahleitner diskutierte die Umsetzung in der Unternehmenspraxis und die Herausforderungen für Kreislaufmodelle. Margit Kranner beleuchtete die Interoperabilität von Standards und damit einen Bereich, der für reibungslose Informationsflüsse und digitale Produktpässe entscheidend ist.
Diese Formate boten die Möglichkeit, konkrete Problemstellungen aus der Community zu besprechen. Die Diskussionen zeigten, dass Unternehmen sowohl technische als auch organisatorische Voraussetzungen benötigen, um zirkuläre Prozesse umzusetzen. Dies betrifft den Umgang mit Daten ebenso wie Anforderungen an Produktentwicklung, Lieferketten und Materialflüsse.
Digitale Datenstrukturen als Schlüssel für Kreislaufwirtschaft
Im Panel Talk wurden Datenstrukturen als zentrales Element echter Kreislaufwirtschaft behandelt. Fachleute aus Technik, Recht, Politik und Praxis diskutierten, wie Technologien wie Blockchain, offene Schnittstellen und gemeinsame Datenräume dazu beitragen können, Formate wie den Digitalen Produktpass umzusetzen. Dabei stand die Frage im Vordergrund, wie Produktlebensläufe transparent werden und wie Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen datengetriebene Prozesse vorantreiben können.

Die Beitragenden erläuterten, welche Anforderungen rechtliche und regulatorische Vorgaben an Datenmodelle und technische Systeme stellen. Gleichzeitig wurden Handlungsempfehlungen gegeben, wie Organisationen den Übergang zu zirkulären Modellen gestalten können. Die Diskussion unterstrich, dass Kreislaufwirtschaft nur dann funktioniert, wenn Daten entlang des Produktlebenszyklus konsistent verfügbar sind.
Austrian Standards als Treiber zirkulärer Entwicklung
Die Veranstaltung führte vor Augen, dass eine Industrie, die Rohstoffe kennt, weiterverfolgt und im Kreislauf halten will, zuverlässige Standards benötigt. Diese schaffen Vergleichbarkeit, Transparenz und Wiederverwendbarkeit – und sie ermöglichen Unternehmen die Umsetzung europäischer Vorgaben wie der Ökodesign-Verordnung und des Digital Product Passport.
Austrian Standards spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Organisation vernetzt über 4.800 Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen, bringt ihre Expertise zusammen und gestaltet internationale Normung aktiv mit. Die wirtschaftliche Bedeutung ist belegt: Standards tragen maßgeblich zum BIP-Wachstum, zur Beschäftigungsentwicklung und zur Produktivitätssteigerung bei. Mit digitalen Lösungen, Fachpublikationen und Weiterbildungsformaten unterstützt Austrian Standards die praktische Anwendung und stärkt damit die Kreislaufwirtschaft als wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zukunftsbereich.